Dürre und Lebensmittelverschwendung - wie hängt das zusammen?

vor einem Jahr

Dürre dank Lebensmittelverschwendung?
Wie sich ein Startup Essensrettung zur Mission macht

Wie hieß es früher immer so schön: "Wenn du deinen Teller nicht aufisst, gibt's morgen kein schönes Wetter". Dieser Spruch ist im Dürresommmer 2018 aktueller denn je. Tatsächlich ist die Lebensmittelverschwendung mit Schuld daran, dass wir dieses Jahr so große Probleme in der Produktion von Lebensmitteln haben. Ein junges Unternehmen durchbricht mit seiner App diesen Kreislauf.

Das Essen und das CO2

Wir sind heutzutage größtenteils weit von der Nahrungsproduktion entfernt. Im Supermarkt bekommt man einen nicht enden wollenden Strom an Waren. Ein Drittel aller Lebensmittel weltweit werden allerdings verschwendet. Und das, obwohl riesige Mengen an Ressourcen in Form von Arbeitsstunden, Wasser, Boden, Energie und Futter in die Produktion unseres Essens fließen. Der Nordische Ministerrat 2011 belegt, dass pro 1 Kilo Essen in der Herstellung 2 Kilo CO2 produziert werden.

Wird dieses Essen weggeschmissen, muss neu nachproduziert werden. Durch diese Ressourcenverschwendung und den erhöhten CO2-Ausstoß trägt die Lebensmittelverschwendung zum Klimawandel bei und dieser wiederum zu Wetterphänomenen, die zu Missernten führen. “Etwa ein Zehntel der globalen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts allein auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln zurückgehen.” So lauten die Ergebnisse der Studie “Food Surplus and Its Climate Burden” des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

Dürre in Deutschland

Den Klimawandel meinte man dieses Jahr in Deutschland am eigenen Leib zu spüren. Nicht nur, dass die Bäume zu wenig Regen bekamen, auch die Felder, auf denen unser Essen produziert wird, waren massiv betroffen.

Laut Bauernverband gab es bundesweit z.B. beim Getreide ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Anbau von Tierfutter wurde mit Einbußen gekämpft. Ernteverlusten zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen sind das, womit in einigen Regionen gerechnet wird. Es musste vom Bund und den Ländern mit 340 Millionen Euro ausgeholfen werden und deutschlandweit sind rund 10.000 Betriebe so sehr betroffen, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind. Das ist sowohl ökonomisch, aber besonders ökologisch ein riesiges Warnzeichen.

Die internationale lokale Lösung

Um diesen Teil des Kreislaufs zu durchbrechen, muss wieder ein Bewusstsein für den Wert des Essens geschaffen werden. Gerade weil Essen enorm viele Ressourcen benötigt, sollte jedes produzierte Lebensmittel auch konsumiert werden. In der Gastronomie wird alleine in Deutschland 1 Tonne Essen pro Jahr weggeschmissen. Ein junges Unternehmen hat sich genau dieses Thema zur Aufgabe gemacht. Über die App Too Good To Go können gastronomische Betriebe ihr überschüssig produziertes Essen zu einem vergünstigten Preis an SelbstabholerInnen verkaufen.

In Deutschland beteiligen sich bereits 2.200 Betriebe in 300 Städten. Die App kann man aber auch schon in 8 weiteren Ländern nutzen, wodurch in den letzten 2 Jahren ganze 7.000.000 Mahlzeiten gerettet und dadurch 14.000 Tonnen CO2 eingespart wurden. Too Good To Go greift hier ein Thema auf, dass auch den KonsumentInnen immer wichtiger ist: Wie kann ich selbst etwas gegen den Klimawandel tun? Einer der vielen großen Vorteile: mit der App schmeckt das Engagement sogar gut. Man bekommt für durchschnittlich 3€ schon eine Portion und lernt neue Läden kennen.

Das Essen der Läden erfährt wiederum die verdiente Wertschätzung und die Umwelt wird geschont. So können in Zukunft alle Teller aufgegessen werden, dann gibt es vielleicht auch wieder mehr Regen. Und das ist in diesem Falle gutes Wetter.