Von Supermärkten und Lebensmitteln

Seit Neuestem müssen in Tschechien abgelaufene Lebensmittel an karitative Hilfsorganisationen weitergegeben werden. Auch in Frankreich dürfen seit 2015 keine Lebensmittel von Supermärkten einfach entsorgt werden. Um was geht es genau und wann zieht Deutschland nach?

In Tschechien ging vor Kurzem eine spannende Meldung durch die Nachrichten: Es wurde ein Gesetz erlassen, das besagt dass Tschechiens Supermärkte ihre abgelaufenen Lebensmittel ab sofort nicht mehr entsorgen dürfen, sondern an karitative Einrichtungen, von Obdachlosenhilfen über Tafeln bis hin zu Suppenküchen oder direkt an registrierte Bedürftige spenden müssen. Somit wird die enorme Lebensmittelverschwendung auf der Ebene des Handels eingeschränkt. 

Aber Tschechien ist nicht das erste Land, in dem ein solches Gesetz verabschiedet wurde. Seit 2015 gilt auch in französischen Supermärkten von mehr als 400 Quadratmetern das Verbot unverkaufte Nahrungsmittel zu entsorgen. Diese müssen recycelt oder noch besser gespendet werden. Insbesondere wurde die Praxis verboten, dass unverkaufte Ware für den Konsum ungeeignet gemacht wurde. Dies sei beispielsweise durch das Überschütten mit Chlor von Mülleimern voller noch nutzbarer Lebensmittel passiert. Das französische Parlament stimmte damals überraschend eindeutig für die Verordnung. 

Was gibt's dagegen zu sagen?

Dass nicht jeder direkt einer gesetzlichen Regelung von dem Umgang mit Lebensmitteln zustimmt, zeigt allerdings das neueste Beispiel in Tschechien. Der tschechische Senator Jaroslav Kubera hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen. Er beklagte, dass es sich bei der Verpflichtung zur Verschenkung von Lebensmitteln, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind, um eine Art Enteignung handele. Die Klage gegen das Gesetz von ihm und weiteren 24 Senatoren, wurde jedoch vom Verfassungsgericht zurückgewiesen und das Gesetz bestätigt.

Auch in Frankreich war das Gesetz anfangs mit Kritik verbunden. Händler beklagten, dass hier die Falschen getroffen würden, da nur fünf Prozent der Lebensmittelverschwendung auf den Handel fiele. Auch arbeiteten viele Großhändler bereits mit Hilfsorganisationen zusammen und hatten jetzt mehr Bürokratie zu erwarten. Nicht zu bestreiten bleibt aber trotz aller Bedenken, dass es in der Regel günstiger für die Supermärkte ist Waren zu spenden, anstatt sie teuer vernichten zu müssen - ein großer Vorteil.

Bisher ein voller Erfolg

Nach über zwei Jahren kann nun in Frankreich eine Zwischenbilanz gezogen werden. Besonders die gemeinnützigen Organisationen sehen die Entwicklung als sehr positiv an. Aber auch unter den Supermärkten ergab eine Umfrage, dass ein größeres Bewusstsein entstanden sei, was die Genießbarkeit von abgelaufenen Produkten betreffe. Fast alle spenden nun Lebensmittel und ein Drittel der Befragten sagte aus, dass sie diese Entwicklung auf das Gesetz zurückführten.

Der Tafel-Präsident Frankreichs Jacques Bailet betonte besonders, dass das Gesetz bewirkt habe, dass die Tafeln nun auch Essen von Herstellern bekämen, die das vorher verboten hätten. Zudem habe die Qualität und Auswahl der Spenden zugenommen, da jetzt auch mehr frische Produkte und solche, die noch einige Tage oder Wochen haltbar sind, gespendet würden. Die Spenden von Lebensmittelläden direkt betrage jetzt fast 50%.

Auch Věra Doušová, die sich in der Verteilung von Lebensmitteln in Tschechien einsetzt, bemerkt bereits nach kurzer Zeit positive Veränderungen. Man habe durch das neue Gesetz wesentlich mehr Lebensmittel zur Verfügung und auch die Vielfalt sei gestiegen. Schnellverderbliches wie Milchprodukte, Brot, Fleisch und Wurst seien nun auch unter dem gespendeten Essen.

Und in Deutschland?

Zwar funktioniere das System der Tafeln in Deutschland auch bisher ganz gut, so der Bundesvorsitzende des Vereins Deutsche Tafel e.V., Jochen Brühl, die Erfahrungen aus Frankreich zeigen aber, dass es durchaus Verbesserungen im Bereich der gespendeten Lebensmittel durch Gesetze geben kann. 

Die Regierung in Paris hatte es sich 2012 zum Ziel gemacht, die Lebensmittelverschwendung bis 2025 zu halbieren. Auch Deutschland hat sich im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele dazu verpflichtet, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Leider dürfen hierzulande weiterhin Supermärkte ohne verbindliche Ziele oder Sanktionen Nahrungsmittel entsorgen. Diese bräuchte es aber, um die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren. Freiwillige Zielvereinbarungen bleiben eben dies: freiwillig. Deswegen fordert die Linke nun ein Verschwendungsverbot für Supermärkte in Deutschland.

Was sagt ihr zu dem Thema? Fordert ihr mehr konkrete Maßnahmen von der Politik? Meint ihr das Thema sollte den Supermärkten selbst überlassen werden? Kennt ihr noch andere Beispiele, wo sich die Politik für die Lebensmittelrettung einsetzt?

Quellen:

Franziska Lienert
Content Manager

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